Haus & Grund Schleswig-Holstein

„Grün in der Stadt“ - Rubrik „Menschen“ Zehn Fragen an John Langley

Frage 1: Sie erzählen und schreiben „in Grün“. Wie kamen Sie dazu? Was ist Ihre Botschaft?

 ANTWORT: Wer träumt nicht vom eigenen „Lust- und pflegeleichten Erlebnisgarten? Und warum befreit uns buddeln, pflanzen, säen, schneiden, ernten? Weil gärtnern grundsätzlich entspannt, innerliche Stärke aufbaut und uns zum Blühen bringt. Philosophie oder Erfahrung? Beides, da ich als junger Schüler ein aktiver Zappelphilipp war, was die damalige Lehrerin Hannelore – Loki - Schmidt veranlasst hatte, mich immer wieder in den Schulgarten zu schicken. Viele Unterrichtsstunden sollte ich die Natur „nur“ beobachten. Dieser Prozess der Wahrnehmung hat mich vermutlich nachhaltig geprägt. Gärtnern beginnt für mich zunächst im Kopf. Es ist unbestritten, dass mehr und mehr Menschen ihr wachsendes, blühendes Refugium immer mehr als lebendigen Lebensraum entdecken. An diesem nachhaltigen Prozess möchte ich teilhaben, mich engagieren, meine „Botschaften“ mit verpflanzen, sie verwurzeln und gemeinsam das Blühen, Fruchten und Ernten begleiten. Wenn es gelingt, dass sich hier und da wertvolle Wildkräuter ungestört ansiedeln, oder sie sogar gezielt gesät werden können - zum Nutzen vieler Kleintiere, die auf diese Blütenauswahl angewiesen sind, dann habe ich als Botschafter der Loki Schmidt Stiftung etwas bewegt. Eines ist unbestritten, in einem "durchgepflegten" Garten haben Bienen, Schmetterlinge und Co. keine Überlebenschance und da kribbelt es auch nicht mehr im Bauch. "Es wird durchgeblüht" so könnte eine weitere Botschaft lauten. Mit Gräsern, Gehölzen, Blumenzwiebeln und Wildstauden lässt sich der eigene Garten beinahe in ein ganzjähriges Naturerlebnis gestalten.

Frage 2: Wie und wo leben Sie, wie sieht Ihr eigener Garten aus?

Antwort: Für mich ist mein überschaubarer Blühgarten in Husum eher als Erweiterung des Lebensraums zu verstehen. Und es stimmt wirklich jeder Garten ist das Spiegelbild dessen, der ihn anlegt. Quadratisch, praktisch, gut, so wie zugepflasterte Stein- oder Kieselflächen? Nein, das bin ich nicht. Pflegeleicht? Das gibt es nicht. Mir ist zunächst wichtig mich nicht zum Nachbarn abzugrenzen. Zu beiden Seiten des Reihenhausgartens durfte ich den Zaun wegnehmen, und nun schaut man wie in einem englischen Garten über die Fläche hinweg. Ist doch schön, wenn so auch die sicht- und unsichtbaren Zäune in den Köpfen der Menschen, der Nachbarn fallen. Ich freue mich über blühende Gehölze (bienenfreundlich), und natürlich gehören Rosen auch dazu, sowie viele Wildstauden, unendliche Zwiebelblüher, grüner Farn (als beste Schneckenbarriere), blühende Bodendecker (halten spontane ungewollte Botanik zurück) und über die Fläche mit Steinen dekorierte sprudelnde Wasserquellen. Mehr geht nicht. Warum? Weil der Platz fehlt. Ach da erinnere ich mich in diesem Zusammenhang doch sehr gerne an eine Fahrradfahrerin, die vor meinem vorderen Garten auf der Straße stehen blieb, mich als TV-Gärtner nicht erkannte und in einer staunenden Bewunderung bemerkte: "Sie haben so einen schönen Garten, den sollte man mal ins Fernsehen holen."

Frage 3: „Grün in der Stadt“ bedeutet für Sie was?

Antwort: Ohne Grün lebt für mich keine Stadt. „GRÜN STATT GRAU“ ist auch zu meiner Botschaft geworden. Nur eine vorausdenkende, zukunftsorientierte und lebendige Stadtentwicklung in koordinierter Symbiose nachhaltiger Architektur, gekonnt implementierter Artenvielfalt, erlebbarer Grünfläche (wie z.B. Parks, Friedhöfe, Straßenbegleitgrün, Kleingärten, Spiel- und Erlebnisräume, Dachgärten, Freiräume, Naturschutzflächen.....) und funktionierender Infrastruktur lässt auf Lebensqualität hoffen. Wer sein Haus & Grund durch lebendiges Grün umgibt, wird bei einer möglichen „Werteinschätzung“ mit Wertschätzung belohnt. Oft lässt sich bereits mit geringem Aufwand viel erreichen: Ausgesäte Blütenpracht wird zum optischen Blickfang. Meine Botschaft: „Nur eine wachsende, lebendige und artenreiche StadtNatur sorgt bodenständig für tiefe Verwurzelung und lässt so richtig aufblühen“.

Frage 4: „Urban Gardening – ein neuer Begriff oder für Sie nur eine Floskel?

ANTWORT: Das bewusste Gärtnern, bevorzugt in Großstädten ist mehr als nur ein Trend. Das Erwähnenswerte daran ist die Tatsache, dass die soziokulturelle Herkunft und die finanzielle Situation der Menschen durchweg keine signifikante Rolle bei der Entscheidung für das GARDENING spielt. Das gemeinschaftliche „Buddeln, Graben, Aussäen, Ernten und Natürliches" zu erleben ist unbestritten ein lebenswerter Prozess, der das Bewusstsein im Umgang mit der Natur nachhaltig verstärkt. Im diesem Zusammenhang werden beim "Urban Garden nicht nur Bienen, sondern auch unsere heimische Fauna akzeptiert und integriert. Stichwort: Insekten-“Hotel“. Gute Gründe für Urban Gardening gibt es viele. Gärtnern liegt absolut im Trend und erobert so verstärkt unsere oft verbaute Welt. Das gemeinschaftliche Buddeln lässt nicht nur Gemüse und Co, sondern auch den Gemeinschaftssinn, Sozialkompetenz und Handlungskompetenz wachsen. Der Blick zeigt es - urbane Gärten begrünen Stadtviertel, verbessern die Luft- und Lebensqualität, verwandeln hier und da Brachflächen in lebendige Lebensräume. Sie tragen zu Kultur, Bildung und Verständigung bei und bieten vielfältigen Raum für Engagement, Beteiligung und respektvolle Verantwortung gegenüber der Natur. Meine Botschaft: „Urban Gardening ist für mich wegweisend, weil nur lebendige Städte mit intakter Natur sich zur vollkommenen Symbiose für Menschen, Fauna und Flora entwickeln werden“. Soll das ALLES nur eine Floskel sein?

Frage 5: Nicht jeder hat Lust zur Gartenarbeit, möchte aber einen Garten haben. Was raten Sie demjenigen?

ANTWORT: Ein Garten hält uns lebendig, mobil. Das ist Lebensqualität pur. Oberstes Gebot: Man darf sich das Tempo nicht vom Garten diktieren lassen und soll sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Wenn man die möglicherweise anstehenden Aufgaben kleiner hält, werden die Erfolgserlebnisse größer. Der dann nach und nach liebgewonnene Lebensraum in der Natur sollte nicht nur „schön“ sein, sondern auch mit allen Sinnen „wahrgenommen“ werden. Und genau dieser ganzheitliche Prozess (er könnte auch etwas länger dauern) macht einen Garten aus. Und wer absolut keinen Zugang zur eigenen Natur findet, entdeckt schnell, dass ein(e) professionelle(r) Gartenprofi eine gemeinsame Lösung finden wird.

Frage 6: Was gibt es noch außer Gärten und Pflanzen, für das Sie sich einsetzen.

ANTWORT: Als ehrenamtlicher Botschafter der Loki Schmidt Stiftung begleite ich beispielweise den langen Tag der StadtNatur oder beteilige mich aktuell am „Grüne Bauten“ Projekt der Hamburger Umweltbehörde (BuE). Bei sonnigem Wetter stellte der Hamburger Umweltsenator Jens Kerstan gemeinsam mit mir als Gartenbotschafter auf dem Gründach des Unilever-Hauses die „Preisträger der Aktion „Auf die Dächer – fertig – grün!“ vor. Wer sich wie ich für den Förderkreis zugunsten unfallgeschädigter Kinder e.V. engagiert weiß, dass Unfälle mit Kindern nach wie vor zum traurigsten Kapitel unseres Verkehrsalltages gehören. Grund genug hier auch als Gartenbotschafter für Aufmerksamkeit und Spenden zu werben.

Frage 7: Sie sagten einmal „Gärtnern beginnt im Kopf“. Andere ergänzen „Es endet im Kreuz“. ist das ein Widerspruch oder eine Zwangsläufigkeit?

ANTWORT: Zunächst sollte Gärtnern grundsätzlich Freude bereiten, aber (und ich weiß genau wovon ich hier schreibe) manchmal ist diese Tätigkeit auch für den Körper und Geist anstrengend. Vor allem, wenn Knie und Rückenmuskulatur stark in Anspruch genommen werden. Und wenn der Kopf mit Stress durch die viele „Gartenarbeit“ beschäftigt ist, dann wird es dringend Zeit seine eigenen Verpflichtungen gegenüber seiner wachsenden „Pflegefläche“ neu zu sortieren. Die Lust am Gärtnern darf nicht zur Last werden. Noch Lust auf einen Tipp? Ich liebe das aufrechte Gärtnern. Für mich als praktikable Lösung, um häufiges Bücken und Hocken zu vermeiden oder zu reduzieren, sind Gartengeräte mit langen Stielen. Schmalere steillang breite Beete erleichtert das handwerkliche GÄRTNERN, oder hier und da Hochbeete anzulegen. Bequemlichkeit ist keine Faulheit. Beim GÄRTNERN kann auch sitzen, statt hocken oder knieen (wenn noch möglich) entlasten, genauso wie viele, viele Pausen einzulegen, um sich über die bereits geleisteten Aktivitäten zu freuen und einfach mal den Garten, die Natur, das Wetter zu genießen.

Frage 8: Was sollte geschehen, damit es mehr Grün gibt in unseren Städten?

ANTWORT: Weil ich mich gerade mit dieser Fragestellung intensiv beschäftige, wünschte ich mir mehr Dachbegrünung mit artenvielfaltiger Bepflanzung. Tragfähige Flächen dafür gibt es überall, und so lässt sich auch für eine sinnvolle Wasserrückhaltung sorgen. Hoch- oder Vertikalgärten sehen nicht nur schön aus, eine derartige Begrünung bietet vielfachen Nutzen. Beispielsweise schützt das Gründach die Dachabdichtung vor Extremtemperaturen, Hagel und Witterungseinflüssen und verdoppelt so die Lebensdauer eines Daches. Meine Botschaft: „Artenreiche Dachbotanik bedeutet für mich das Zusammenwachsen unterschiedlichster Lebensräume- und –ansprüche inmitten urbaner Lebendigkeit“.

Frage 9: Was machen Sie im Garten am wenigsten gern?

ANTWORT: Rasen vertikutieren! (weil es sehr oft keinen Sinn macht), Spontanbotanik aus den Fugen zu „ernten“ (weil mir die Zeit dafür oft für andere Aktivitäten verloren geht), oder Schnecken hinterherzujagen. Warum? Nacktschnecken bevorzugen gern ein feuchtes, dunkles Refugium. Wer morgens wässert und nicht am Abend, reduziert die nächtliche Mobilität der Schleimer. Ebenerdig, eingegrabene „klassische“ mit Bier, Milch oder Limonade gefüllte Lockfallen machen in der Praxis keinen richtigen Sinn. Sie wirken eher anziehend für das Schneckenvolk. Und was müssten das für riesige Behältnisse sein, wo Hunderte auf den Schlag für immer gefangen wären? Bei der Verwendung von handelsüblichem „Schneckenkorn“ sollte beim Kauf immer auf Umwelt, Mensch, Fauna und Flora geachtet werden. Eher können ausgelegte Salatblätter und ein feuchtes Handtuch darüber, da eine Lösung sein. An diesen signifikanten Fundstellen lassen sich die Schnecken dann massenhaft absammeln. MEGAout ist auch der Wurf zum Nachbarn, da der Flug mindestens vier Kilometer weit sein müsste, um eine Rückkehr auszuschließen. Möglicherweise gibt es eine aktuelle Lösung, am Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Dort wurde ein zuverlässiges Mittel gegen Schnecken entwickelt. Mit einem absolut neuen, patentierten, ökologischen Antihaft-Lack können bereits wenige Pinselstriche Schneckenüberfälle verhindern. Das versuche ich sofort.

Frage 10: Und was am liebsten?

ANTWORT: Riechen, fühlen, wahrnehmen, begreifen und dabei entschleunigen. Da reicht mir bereits eine Handvoll Erde, um etwas NATÜRLICHES wachsen zu lassen. Auch wenn wir oft glauben, dafür eigentlich keine Zeit zu haben. Zurück zur Natur scheint es uns immer dann zu ziehen, wenn wir – wie gesagt - uns entschleunigen wollen oder müssen. Dabei geht es nicht um profane Langsamkeit als Selbstzweck, sondern um angemessene Geschwindigkeiten und Veränderungen im Umgang mit sich selbst, mit den Mitmenschen und mit der umgebenden Natur. Entspannung braucht viel mehr Raum in unserem Leben und ich selber empfinde in den vergangenen Jahren: Der Wunsch danach wird immer größer. Der Auftrag ist klar. Gärten sollen glücklich machen und uns bewegen. Und genau in diesem Zusammenhang mache ich meine positiven Erfahrungen. Nachvollziehbar, dass von Jahr zu Jahr auch die Zahl der Gärten in Deutschland immer mehr zunimmt. Zuwachsprognose für die unmittelbare Zukunft: zwei Millionen.