Heidekönigin der Calluna vulgaris

Foto: Hans Werner in Planten un Blomen (Hamburg)

Nun hat die Loki Schmidt-Stiftung wieder die Blume des Jahres gekürt. Es handelt sich diesmal um die Besenheide (Calluna vulgaris). Loki Schmidt hätte sich über diese Wahl mit Sicherheit ganz besonders gefreut, lag ihr doch stets die Heide so sehr am Herzen. Besenheide finden wir verstärkt in der Lüneburger Heide (Niedersachsen) vor. Diese beginnt südlich von Hamburg und erstreckt sich bis Gifhorn. Die Besenheide unterscheidet sich von den meisten Heidearten durch ihre Eigenschaft, erst im Spätsommer ihre schönen Blüten zu entfalten. Nur Schafe dürfen diese zarte, zauberhafte Landschaft in Lila betreten, da sie die Heide "zurückschneiden". Nur so können die größten Heideflächen Europas erhalten bleiben. Diese Schafe tragen den Namen "Graue Gehörnte Heidschnucke". Schnucke kommt von "Schmökern", was übersetzt mit "Naschen" widergegeben wird.

 

Die Besenheide stellt nicht nur für seltene Insekten, was wirklich sehr erfreulich ist, ein Magnet dar. Jährlich wird die Heide von vielen Touristen besucht. Kutschfahrten durch die Heide sind schon legendär. Sie haben den Vorteil, die Heide zu schützen, da sie nur auf vorgeschriebenen Wegen unterwegs sein dürfen. Eigens zu dieser wunderschönen Blüte wird dann sogar (schon seit 1949) eine Königin, in Verbindung mit einem großen Fest, gewählt. Die Heidekönigin Sarah Winkelmann (2018 / 2019) aus Schneverdingen wird nun  mit ihrem Hofstaat für ein Jahr die Kulturlandschaft Heide präsentieren. 

John Langley, der beliebte Botschafter der Loki Schmidt-Stiftung, durfte sie schon persönlich als eine sehr sympathische kommunikative und kluge Königin der Heide kennenlernen. Sie hat nun die Aufgabe, die eigene Verbundenheit und Zuneigung zur Region weiterzuvermitteln. Dazu nimmt sie an vielen kleinen und großen Veranstaltungen teil, bis hin zur Grünen Woche und ITB in Berlin. (Übrigens, der Name Besenheide kommt aus einer Zeit, als Menschen tatsächlich diese schöne Heide gebündelt und ihre Stuben damit ausgefegt haben. Es ist ein wirklich schrecklicher Gedanke.)

Hermann Löns (1866-1914), der als Heide-Dichter- und Schriftsteller bekannt ist, setzte sich bereits 1911 für die Gründung des Naturparks Lüneburger Heide ein, den ersten deutschen Park dieser Art. Wir sollten aus ganzem Herzen versuchen, ihn weiter zu schützen und zu unterstützen.

Unsere Insekten brauchen ihn ebenfalls sosehr.

Sommer

"Über die Heide ziehen Spinnweben

Von Halm zu Halm ihr silberweißes Tuch,

Am Himmelsrande weiße Wölkchen schweben

Und weißes Wollgras wimpelt überm Bruch.

Es blüht die Luft wie ein Maschinenofen,

Kein Menschenleben regt sich weit und breit,

Der Baumpieper nur schmettert seine Strophen

Und noch im Blau der Mäusebussard schreit.

In rosa Heidekraut den Leib ich strecke,

Das Taschentuch ich auf die Augen breit',

Weit von mir ich die schlaffen Glieder recke

Und dehne mich in süßer Müdigkeit.

Oh Grabesschlaf, wollüstiges Genießen!

Wenn dieser müde Menschenleib verwest,

Wenn die Atome auseinanderfließen

Und Glied an Glied sich reckend, dehnend löst.

Ein Gedicht von Hermann Löns