Gärtnern macht wirklich glücklich.


Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg
Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg

 

Nicht nur Gärten, Parks und öffentliches Grün haben in uns durch die Corona-Krise ein anderes Bewusstsein, eine deutlichere Wertschätzung und dem Zusammenhang von Naturverständnis entgegengebracht. Wer sich in der Zeit nicht nur in der Ausgangsbeschränkungen, Social Distancing und Selbstisolation mit A B S T A N D mitverantwortlich gezeigt hat und dazu entscheidend beiträgt, für den ist selbst ein kleiner „Streifzug“ ins Grüne etwas ganz Besonderes. Bereits einige intensive Minuten in der Natur senkt unseren Stresslevel signifikant, wie Umweltwissenschaftler der University of Michigan in einer Studie herausfanden.

 

Es ist nicht immer das Lebensalter, die langjährige Erfahrung, die erhoffte Bewegung oder das oft tägliche Tun in der „Kultur-Natur“. Gärtnern macht in jedem Fall nicht nur unter der wärmenden Sonne oder bei strömendem Regen glücklich. Warum ist das unbestritten so? Es ist vor allem die dafür gepaarte Lust mit der Gelingens-Motivation verantwortlich. Sinnbringende gärtnerische Tätigkeit zwischen Himmel und Erde ausführen zu können. Und deshalb beglückt GÄRTNERN in seiner fast unbeschreiblichen Mannigfaltigkeit so nachhaltig.

 


Lebensqualität für Alle


Foto: Petra Schweim - Appelbarg
Foto: Petra Schweim - Appelbarg

Wer in den letzten Monaten seinen Stadt-, Vor-, Klein-, Gemüse, Obst-, Dachgärten, hatte, weiß ganz genau, was GLÜCK in diesem Zusammenhang bedeutet. Durch die gärtnerische Beschäftigung wird wissenschaftlich nachweisbar auch geistige und körperliche Fitness gefördert und dabei alle Sinne angesprochen, egal, in welcher Geschwindigkeit, unter welchen oder Voraussetzungen welche motorischen Fähigkeiten vorhanden sind.

 

Es stimmt wirklich, dass GÄRTNERN natürlich im Kopf (hier befindet sich das eigentliche Belohnungszentrum) beginnt und möglicherweise dann im Rücken endet. Aus eigener Erfahrung habe ich persönlich erlebt im Umgang mit der Natur, das Loslassen wesentlich gesünder ist als grundsätzlich an bestehende Überlieferungen festzuhalten. Es muss wirklich nicht alles im Garten schier ordentlich perfekt und schon überhaupt nicht „aufgeräumt“ sein. Eine augenscheinlich „vernachlässigte“ Natur wird sich mit einer unerwarteten „Lebens- und Blühfreude“ dafür bedanken. Wer zu früh oder überhaupt mit einem spontanen Scheren- oder Messerschnitt erblühtes „köpft“ kann naturgemäß leider nicht immer mehr mit einem „lächeln“ rechnen. Mal davon, dass von der Pflanzenlehre her betrachtet, nicht alle Pflanzen remontieren. Was bedeutet, dass nach der abgeschnittenen Hauptblüte nicht zeitnah wieder etwas Neues aufblüht. Deshalb sagt man bestimmt: „Blumen sind das Lächeln der Natur?“.


Und noch eine Binsenweisheit.


Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg
Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg

Was bedeutet beim Gärtnern Geduld, Gelassenheit, Toleranz? Wer hier nicht die Eignung besitzt, warten zu können oder etwas Unaufgeräumtes, Verblühtes, Vertrocknetes zu ertragen, verfügt nicht über geduldige Ausdauer hier ist eher Ungeduld im Spiel.

 

Und wenn ich eines im Laufe meiner unterschiedlichsten gärtnerischen Tätigkeiten verstanden habe, dann ist es diese Tatsache. „Es hilft wirklich nichts am Gras oder Binsen zu ziehen, denn dadurch wächst diese Botanik auch nicht schneller!“ Sinngemäß bedeutet so eine Binsenweisheit, dass man sich unnötig Mühe macht, etwas zu erklären, was eigentlich jeder weiß. Oder nicht? Trotzdem ist es absolut treffend, wie ich finde, daran hin und wieder zu erinnern, dass man die Natur beschleunigen kann. Auch ich freue mich über jede Anregung, die unnötige Aufregung vermeidet.

 

Manchmal gibt es einige wenige Gartennachbarn, die „organisierte Faulheit“, so hat es der bekannte Bio-Gärtner und Sachbuchautor Karl Plohberger aus Österreich bereits formuliert, als eine „nicht erstrebenswerte Eigenart“ ansehen. Alles ist im Prozess der Veränderung. Salopp gesagt. „Nix ist so beständig wie der Wandel selbst“ und hier ist natürlich die gesamte Gartenkultur und damit verbunden das einhergehende aktuelle GARDENING nicht ausgenommen.

 

Ein kurzer Rückblick in die Vergangenheit deutscher Schrebergärten. Wo es früher auch nicht ganz so einfach war, intuitiv zu gärtnern, weil der ein oder andere wartende Gartenfreud hinter einer penibel geschnittenen niedrigen Hecke rechtzeitig Anzeichen der einer „Verlotterung durch unerwünschte Spontanbotanik“ erkennen wollte. Das ist in der heutigen Zeit bestimmt Geschichte.

 


Verändeungen bestimmt das Gärtnern.


Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg
Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg

Wurde früher das Stückchen eigenes und gepachtetes Land überwiegend für die Ernährung genutzt, so hat sich der klassische „alte“ Gemüsegarten über Jahre hinweg in einem „Erholungsgarten“ für Körper, Geist und Seele gewandelt. Das gilt auch für eine klassische Streuobstwiese oder unsere unterschiedlichen Hochbeete, die „nur“ wie ein Balkonkasten jährlich mit Kompost 1/3 gefüllt werden und bereits viele Jahr für frische Kräuter, Erdbeeren und Gemüse sorgen. Es ist mehr als nur ein Trend, sich selbst zu versorgen, dafür sind die Gründe vielschichtig und basieren unteranderem auf soziokulturelle Veränderung, anhaltende Land- oder Stadtflucht, unaufhaltbare Urbanisierung, unaufhaltbarer Klimaveränderung, demografischem Wandel und, und, und……, um hier wirklich nur einige Stichworte zu nennen.


Enthusiasmus oder Hortomanie?


Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg
Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg

Unser Enthusiasmus zum Appelbarg ist zunächst nicht mit „Hortomanie“ zu vergleichen, wir sind keine „typischen“ Botanikflüsterer, Pflanzenversteher, Jäger, Sammler oder weltweit gereiste Garten-Freaks. Wir schätzt nicht - wie unser Freund & Extrembotaniker Jürgen Feder - jeden vollständigen botanischen Namen aus dem FF kennt und beschreibt. Auch wenn uns die Gattung, Art und Sorte vorbehalten bleibt, lieben wir die sich ständig veränderte Natur, den einmaligen Lebensraum zur Entschleunigung, den sandigen Boden unter den Fingernägeln, klagen auch nicht über deutliche Spuren dorniger Brombeeren, stacheliger Wildrosen oder wehrhaft piksender dornigen Schlehen. Natürlichkeit, Authentizität, Naturverständnis, Fingerspitzengefühl, Fehleinschätzungen, Geduld und viel erlebte Erfahrungen, das alles zusammen prägen nicht nur bei uns, sondern landauf, landab eine Individuelle, erlebnisreiche und damit verbunden, eine einzigartige Kultur des Gärtnerns.


Eine Handvoll Erde reicht


Fotos: Petra Scheim - Appelbarg
Fotos: Petra Scheim - Appelbarg

Verständlich, dass immer mehr Freizeitbotaniker*Innen ihre oft „Handvoll Ede“ in einem lebendigen Erlebnisraum wandeln, entdecken wollen und deshalb unermüdlich auf der Suche nach kreativen Impulsen und praktikablen Gartentipps sind. Auf der Erfolgsscala liegt oft das Ziel, einen besonders pflegeleichten Garten zu bekommen, ganz weit oben. Ja, das könnte tatsächlich gelingen, wenn man die „Mutter Natur“ hier und da einfach mal ganz in Ruhe fast unberührt wachsen lässt. Unser blühendes Grün ist grundsätzlich bereit für Veränderung. Sind wir das auch? Es ist im Grunde genommen auch für den ordentlichsten Menschen ein Paradigmenwechsel notwendig, damit seine ORDNUNG nicht unkontrolliert zur UNORDNUNG wird. Alles was wir tun oder bewegen wollen, basiert immer auf eine persönliche Bereitschaft, sich intensiver mit der Natur zu arrangieren, um Freiräume zu schaffen.