Leben und Symbiose – Garten ist Emotion pur.


Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg
Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg

Philosophen behaupten sogar, dass unsere Gärten deutliche Spiegelbilder der Seele sind. Individuelle Lebensräume, so verstehen Trendforscher diesen Ort der modernen Entschleunigung. Und genau dazwischen liegen Millionen undefinierter „Grüne Lungen“ in ihrer unerschöpflichen, abwechslungsreichen Facettenvielfalt. Damit sich nicht nur der Homo sapiens zwischen Rosen und Rasen so völlig aufblüht und wohlfühlt, werden diese Paradiese mit wachsendem Interesse natürlicher „belebt“ und vor allem „erlebt“.

 

Verständlich, dass immer mehr Freizeitbotaniker ihr naturbelassenes Paradies in einem lebendigen Lebensraum wandeln, entdecken und deshalb unermüdlich auf der Suche nach kreativen Impulsen und praktikablen Gartentipps sind. Oft mit dem Ziel, einen pflegeleichten Garten zu bekommen. Ja, das funktioniert Tatsächlichkeit, wer die Mutter Natur mal wachsen lässt, ist grundsätzlich bereit für Veränderung. Es ist im Grunde genommen ein Paradigmenwechsel notwendig, damit ORDNUNG nicht unkontrolliert zur UNORDNUNG wird. Vielmehr basiert diese Entscheidung auf eine persönliche Bereitschaft, sich intensiver mit der Natur zu arrangieren.

 


Lebensqualität - Freiheit macht glücklich.


Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg
Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg

Unsere auf dem Appelbarg fast dreißig Jahren tragenden Sorten der 20 Apfelbäumen und viele weitere Obstsorten geht es auch nach Einschätzung von Johannes Boysen (Apfelexperte und Freund aus Niebüll) so richtig gut. Standort, Pflege, Schnitt und viel Zuwendungen tragen (im wahrsten Sinne des Wortes) mit vielen gesunden Früchten dazu bei. Das Jahr 2020 hat dafür gesorgt, dass wirklich jeder Apfel gesammelt und im Sinne einer gesunden Ernährung verwertet wurde. Das ist uns zuvor in dieser Intensität leider nicht immer gelungen.

Ja, auch ich als langjähriger Gartenbotschafter habe in den letzten Monaten den Appelbarg ganz anders, intensiver und demzufolge in seiner Vegetation zusammenhängender erlebt. Inzwischen kenne ich auch fast jeden Grashalm mit Vornamen. 2020 hat uns inspiriert, mobilisiert und motiviert und zum Teil überfordert. Alle, im Verlauf von Jahren verrotteten 40 Eichenpfähle auf der inzwischen fast 22 Jahre jungen Streuobstwiese wurde in bewährte Handarbeit erneuert, ein meterlanger Wildgitterzaun gezogen, ein altes Weidentor endlich erneuert und kompostiert was die vegetabile Natur hergab, gepflanzt, geerntet, ausgesät wie fast nie zuvor. Das gärtnerische Tun hat vor allem den Kopf freigemacht, den Bewegungsdrang angemessen beschäftigt und letztendlich damit unsere körperliche Konstitution getestet und vor allem Zufriedenheit eingefordert trotz aller fast weltweiten Umstände wieder ins Bewusstsein zurückgeholt wurde.

 

So wie fast jeder andere Garten ist dieser Ort mit dem Blick über die anliegenden Felder ein nach und nach geschaffener „Paradiesgarten“ geworden. Auch wenn es dafür keine „offene Gartentür“ gibt. Ok, hin und wieder bieten wir Schnittkurse mit Johannes Boysen an und überraschen flanierende neugierige Augen mit einer persönlich angesprochenen Einladung mal unsere „Projekte“ anzuschauen. Oder den einen oder andern Tipp mitzunehmen, welcher Apfelbaum der richtige wäre. Wer sich durch den einen oder anderen Apfelbaum einen eigenen „Lust- oder Genussgarten“ schaffen möchte, sollte sich – wie eigentlich bei allen zu kaufenden Pflanzen – zunächst ein paar Gedanken über das warum, wie und wohin machen und nicht gleich beim sogenannten „Schnäppchen“ Angebot oder durch das Foto-„Etikett“ verführen lassen. Das hatten wir schon vor sehr langer, langer Zeit und dann gelingt es auch nicht mit dem paradiesischen Wünschen.

 

Persönlich verlasse ich mich bei so einer Entscheidung grundsätzlich auf regionale Baumschulen, um sicher zu sein, dass auch über viele Jahrzehnte ausgewählte Obstgehölze wachsen blühend fruchtend und sich im Garten weiterentwickeln können. So ein Malus (Apfel) könnte schon bis zu 100 Jahre „alt“ werden, obwohl sie durchschnittlich nach 10 -30 Jahren im Ertrag nachlassen. Bevorzugt wurden von uns alte, bewährte und wie gesagt regionale Sorten ausgewählt. Und wer weitestgehend auf Pflanzenschutzmittel verzichten möchte, sollte dazu noch robuste, unempfindliche Sorten wählen. Gerade der historische Obstbau mit seinen Tausenden von Sorten bietet reichlich genug Auswahl für alle Bedürfnisse des Standortes und in der Symbiose Mensch.

 


Wer gärtnert, grübelt nicht.


Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg
Fotos: Petra Schweim vom Appelbarg

Beste Voraussetzung, für die Gesundheit eines Apfelbaumes ist eigentlich immer der richtige Standort. Es muss nicht den ganzen Tag die Sonne scheinen, halbschattige Plätze werden durchweg gut angenommen. Und wer zu viel Schatten hat, findet auch seinen Baum dafür. Allerdings gibt es im sogenannten Dauerschatten größerer Bäume leider mehr Stress als Apfel. Der Boden sollte nicht trocken und nährstoffarm sein. Aber was bedeutet das genau? Wer über humosen oder fruchtbaren lehmigen Sandboden verfügt, findet in jedem Fall geeignete Obstbäume dafür. Sollten zuvor Äpfel oder andere Pflanzen aus der Familie der Rosaceae am Pflanzstandort gestanden haben, wird es allerdings schwer, für den „Gartenneuling“ richtig Fuß zu fassen.

Warum ist das so? Weil genau hier im Pflanzbereich die lebensnotwendigen „Botenstoffe“ nicht mehr verfügt sind wird, um ein weiteres rosiges Wachstum zu sichern. Das kann bis zum Ende der Rosenstöcke führen. Da hilft auch kein großzügiges Austauschen des Bodens mehr. Einfach ein paar Meter - wenn möglich – weiter entfernt verpflanzen.

Fazit: Wer gärtnert, grübelt nicht. Zu säen, zu pflanzen und mit den Händen in der Erde zu wühlen hat in der Tat „meditativen“ Charakter. Wenn wir kleine grüne Setzlinge quasi in neu angelegten Beeten versenken, den frischen Duft von geschnittenem Gras und Kräutern schnuppern oder selbst gepflückte Erdbeeren naschen, löst sich nachweisbar Hektik und Sorgen schnell in Wohlgefallen auf. Das Neue (oder eher uns bisher Unbekannte) Gardening ersetzt den Klassiker Gartenarbeit total, und ist nebenbei noch ein Erlebnis für alle Sinne. Wahrscheinlich ist sie deshalb eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Zwei Drittel aller Deutschen jäten, graben und harken, ein Drittel sogar häufig. Wer sich hier vor Ort umsieht, um nur allein Blumen und Pflanzen anzuschauen - spürt zusammen mit den Naturgeräuschen – bereits Entspannung pur. Sich beim Gärtnern in der Natur ungezwungen bewegt baut nachweisbar Stress und Ängste ab und sorgt unweigerlich für gute Laune, Zufriedenheit und Gelassenheit. Gärtnern erdet und wer auf dem Balkon, Terrasse oder im Garten die Möglichkeit hatte, hat davon in dieser Zeit reichlich Gebrauch gemacht und ist hinreichend mit dafür durch die Natur belohnt worden.

 

Klar, GÄRTNERN macht glücklich, belebt & erdet.

John Langley & Petra Schweim vom #Appelbarg