Apfel-Pflanzung

RATGEBER ALTE APFELSORTEN – Empfehlung für Hausgärten und Streuobstwiesen in der Metropolregion Hamburg. – BUND Landesverband Hamburg e.V

Fotos: John Langley - Projekt anlässlich der igs in Wilhelmsburg - Eckhart Brandt


BOOMGARDEN Projekt Eckart Brandt

Die alten Obstsorten sind Teil unseres kulturellen Erbes. Unsere bäuerlichen Vorfahren haben über Jahrhunderte Obstsorten herangezogen, die dem Klima und Boden unserer Heimat besonders gut angepasst waren. An diesen alten Sorten hängen lange Traditionen

bäuerlicher Ess- und Kochgewohnheiten und Vorratswirtschaftens. Last not least geht es auch um die Erhaltung der genetischen Vielfalt. Da die heute marktgängigen Sorten auf nur sehr wenige Ausgangssorten zurückgehen, scheint es dringend geboten, das vorhandene reiche genetische Potential zu erhalten, um es evtl. später einmal züchterisch einsetzen zu können. Quelle: http://www.boomgarden.de/boomgarden-projekt.html 


Apfelbäume im Garten pflanzen

Wer sich einen oder mehrere Apfelbäume in seinem Gartenpflanzen möchte, sollte sich – wie eigentlich bei allen Pflanzen – zunächst ein paar Gedanken machen und nicht gleich beim sogenanntes „Schnäppchen“ Angebot aus dem Baumarkt zugreifen. So ein Baum soll auch einige Jahre fruchtend im Garten verbringen. Ein Einkaufziel könnten alte und regionale Sorten sein. Und wer auf Pflanzenschutzmittel weitgehend verzichten möchte sollte robuste, unempfindliche Sorten wählen. Gerade der historische Obstbau mit seinen Tausenden von Sorten bietet reichlich genug Auswahl für alle Bedürfnisse des Standortes und des Apfelfreundes. Ein Garant für die Gesundheit eines Apfelbaumes ist der richtige Standort. Es muss nicht den ganzen Tag die Sonnescheinen, halbschattige Plätze werden gut angenommen. Und wer zu viel Schatten hat findet auch seinen Baum dafür. Der Boden sollte nicht trocken, nährstoffarm sein. Auf einem guten humosen Gartenboden oder einem fruchtbaren lehmigen Sandboden ist die Auswahl an geeigneten Bäumen besonders in den regionalen Baumschulen groß. Auch im sogenannten Dauerschatten größerer Bäume gibt es mehr Stress als Freude am Apfel. Sollten zuvor Äpfel oder andere Pflanzen aus der Familie der Rosaceae am Pflanzstandort gestanden haben, wird es schwer für den „Gartenneuling“ richtig Fuß zu fassen. Der zuvor ausgelachte Boden verfügt nicht mehr über die notwendigen lebensnotwendigen Stoffe, um ein weiteres Wachstum zu sichern. Da hilft auch kein großzügiges Austauschen des Bodens mehr.

 

Eckart Brandt (Apfelexperte- Boomgarden) pflanzt dann lieber Steinobstarten wie Pflaume oder Kirsche und bereichert den Boden dann mit Kompost. Der Pflanzabstand richtet sich immer nach der gewählten Baumart und der Gute des Bodens. Hier gilt: Je besser und fruchtbarer der Boden, desto stärker wird der Baum. Als Faustregel gilt: Hochstammbäume auf Sämlingsunterlagen oder auf M11:8-10 m, (Baumhöhe später 5-6m), mittelstarkwachsende Halbstämme auf M7 oder M4:5-6m (Baumhöhe später 3-3m), schwächer wüchsige Buschformen auf MM 106 oder M26: 3-4m. (Baumhöhe später um 3m). Alles etwas kompliziert…. In diesem Fall fragen Sie Ihren Apfelbaumexperten vor Ort und alles entschlüsselt sich verständlich und nachhaltig. Damit es später auch fruchtet macht es immer Sinn, dass sich in unmittelbarer Nähre ein weiterer Apfel befindet. Selbst Bienen und Hummeln könnten noch so fleißig sein, ihre Arbeit würde nicht fruchten. Der Pollenaustausch findet nur bei gleichzeitig blühenden Exemplaren statt. Fruchtbar sind die Pollen diploider Sorten, triploide Sorten haben unfruchtbare Pollen. Dazu zählen Gravensteiner, Boskoop, Jakob Lebel, Horneburger Pfannkuchen ect. Kleiner Tipp: wer viele unterschiedliche Apfelbäume pflanzt braucht sich über die Befruchtung keine Gedanken zu machen.

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Ernte gut - alles gut

Wer im Spätherbst pflanzt kann hierfür Anfang/Mitte November aussuchen, solange der Boden nicht gefroren ist. Das Frühjahr, wenn der Boden offen (März bis April) ist kann auch als Pflanzzeit genutzt werden. Wer über humosen Boden verfügt, braucht nur ein Pflanzloch auszuheben, in das die Wurzeln des Baumes bequem hineinpassen. Den Boden lockert man 20 cm tief mit einer Grabelgabel auf. Der Bodenaushub kann in einer Mischung 1:1 mit Kompost angereichert werden. Stein- und Algenmehl dazu gemischt erhöht die Widerstandfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge. Unbedingt auf Mist verzichten, weil seine Zusammensetzung die zarten Wurzeln zerstören würde. Ohne den Stamm zu berühren könnte eine Pflanzscheibe aus Pferde- oder Rindermist aufgelegt werden, um den Boden vor Austrocknung zu schützen. Die Packung sollte im Herbst beseitigt werden, um Mäusen und Wühlmäusen kein Überwinterungsquartier anzubieten. Einen absoluten Wurzelschutz gegen Wühlmäuse scheint es nicht zu geben, aber eine deutliche Minimierung der Fraßschäden wird durch sogenannte engmaschige „Pflanzkörbe“ erreicht. Alle jungen Apfelbäume sollten mindestens mit einem Pfahl (50 cm tief vor dem pflanzen in die Erde bringen) vor Verwehung „gestützt“ werden. So lässt sich eine Schieflage vermeiden. Schwachwüchsige benötigen diese Stehhilfe ihr ganzes Apfelbaum leben, andere sogenannte starkwüchsige nur 5-7 Jahre.

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Auch ein junger Baum muss bereits unter die Schere. Herbstverpflanzte werden am besten im Frühjahr bearbeitet, wenn keine harten Fröste mehr angesagt sind. Man schaut sich den Aufbau des Baumes an. Er sollte eine eindeutige Mittelachse haben, konkurrierende, im spitzen Winkel vor ihr abzweigende Seidenäste werden ganz entfernt. Und wenn man gerade mit der Schere dabei ist, dann werden überschüssige, parallel laufende Äste, für die im späteren Aufbau der Krone kein Platz sein wird, entfernt. Stehenbleiben sollen nur 3-4 kräftige Leit-Äste, die das Grundgerüst der späteren Krone bilden. Im Frühjahr schneidet man – so Eckhardt Brandt – alle Seitenäste kräftig bis auf etwa ein Drittelihrer Länge zurück. Alle Leit-Äste sollten etwa auf gleicher Höhe enden. Die Experten nennen diesen Schnitt „Saftwaage“ und zwar mit einem nach außen gerichteten Auge. Auch der Mitteltrieb wird mindestens um ein Drittel eingekürzt. Und zu guter Letzt kann man die Seitentriebe etwas länger lassen und nach unterbinden, um sie früher zum Tragen zu bringen. Wer weitere „Schnittmuster“erproben möchte, dem bleibt nur der Weg in einen der angebotenen Kurse und schaut einem Promologen auf die Schere.

Ganz allgemein gilt auch hier: „So viel wie nötig und so wenig wie möglich.

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